Frohe und gesegnete Weihnachten!
23. Dez 2025
Vor kurzem bin ich abends unweit des Freiburger Münsters an einem ehemaligen Behelfsbau aus der Nachkriegszeit vorbeigekommen. Lange Jahre hatte in dem denkmalgeschützten und für Freiburg einmaligen Gebäude ein Kaffeeproduzent seinen Verkaufsraum.
Das Gebäude selbst war mit der Zeit zwar arg heruntergekommen, hatte aber einen gewissen morbiden Charme. Mehr noch beherbergte das einstöckige Gebäude zuletzt sogar ein hippes „Pop-Up“- Kaffee, das vor allem bei jungen Leuten beliebt und angesagt war.
Nun aber schaute ich durch das Schaufenster in einen hell ausgeleuchteten Verkaufsraum einer Edelbäckerei, die hier kürzlich eingezogen war. Die Stühle an den kleinen Tischen waren bereits zum Feierabend hochgestellt, alles machte einen sauberen und aufgeräumten Eindruck. Hinten konnte ich die offene Backstube erkennen, aus der heraus tagsüber unter anderem Zimtschnecken für 5,10 € das Stück verkauft werden.
Kaum etwas erinnerte noch an das heruntergekommene, barackenartige Gebäude, in dem ich mir noch vor einem Jahr in einem improvisierten Vorführraum einen Film angeschaut hatte. Darin wurden Zeitzeugen dazu befragt, wie sie als Kinder die Bombardierung Freiburgs 80 Jahre zuvor erlebt hatten...
Plötzlich entdecke ich, wie sich an einer Seite des Schaufensters eine Art Kranz aus Zweigen in der Form eines PEACE-Zeichens abhebt. Was sich die neuen Pächter dabei wohl gedacht haben? Soll es einen Adventskranz darstellen? Oder soll damit womöglich an die Geschichte dieses Hauses erinnert werden?
Ich jedenfalls muss bei diesem Anblick wieder an die Menschen im Film denken. Und an das Bild drüben im Münster, auf dem rund um das Freiburger Wahrzeichen eine Trümmerwüste - die Folgen des Bombardements vom 27. November 1944 - zu sehen ist.
Da kommt mir der Gedanke: Brot und Frieden für alle – das wäre doch Weihnachten!
Dafür würde ich ab sofort und für den Rest meines Lebens sogar auf meine geliebten Zimtschnecken verzichten.
In diesem Sinne wünsche ich allen frohe und gesegnete Weihnachten!
Ihr
Markus Weber
Referent für Friedensbildung und pax christi